geteiltes Dorf |
Die Amerikaner nannten es "Little Berlin", dieses Dorf am Ende der Welt, das ebenso wie sein großer Bruder zum Symbol der deutschen Teilung wurde. Hier gab es eine Mauer, aber keinen Check-Point. Hier war Sperrgebiet auf der einen und Besucher-andrang auf der anderen Seite. Hier war es sogar verboten, von Ost nach West zu winken.
Eine Grenze mitten durch ein kleines Dort. Die Ursachen dafür liegen schon mehr als zwei Jahrhunderte zurück. Im Jahre 1810 wurden erneut Grenzsteine gesetzt, die bis heute erhalten sind. Eingemeißelt die Initialen "KB" - Königreich Bayern auf der einen, "FR" - Fürstentum Reuß auf der anderen Seite. Mit Ende des ersten Weltkriegs gehörte das Dorf dann je zur Hälfte zu den Freistaaten Bayern und Thüringen. Schule und Wirtshaus standen auf Thüringer Boden, in die Kirche ging man miteinander ins benachbarte, bayerische Töpen - und gemeinsam zogen sie auch in den Krieg.
Dem Ende des zweiten Weltkriegs folgte die aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Die Demarkationslinien verliefen dabei weitestgehend entlang der alten Landesgrenzen von 1937. Das Land links des Tannbachs war nun amerikanische, das rechts davon sowjetische Besatzungszone. Noch gingen sie in dieselbe Schule und saßen gemeinsam am Wirtshaustisch. aber die unterschiedliche politische Entwicklung in den westlichen und der östlichen Besatzungszone wirkte sich auch unmittelbar auf die kleine Dorfgemeinschaft aus. Im Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft, im Oktober des gleichen Jahres erfolgte die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Nun gehörte die eine Hälfte Mödlareuths zur Bundesrepublik, die andere zur DDR. Der Schritt über den Bach war nur noch mit Passierschein möglich.
Im Mai 1952 erließ der Ministerrat der DDR eine "Verordnung über
Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen
Besatzungszonen Deutschlands". Ein 10 Meter breiter "Kontrollstreifen"
entlang der Grenzlinie wurde abgeholzt und umgepflügt, der "500-m-Schutzstreiten"
und die anschließende " |
Höhepunkt der Anstrengungen, die eigenen Bürger vor dem "Imperialismus" zu schützen, sollte die Mauer werden. Etwa 700 Meter lang, 3,30 Meter hoch, aus Betonteilen zusammengefügt. 1966 wurde sie in wenigen Wochen errichtet. Von da ab nannte man Mödlareuth auch "Klein-Berlin". 24 Jahre lang hielt das Machwerk stand. Rund um die Uhr bewacht, des Nachts in gespenstisches Licht gehüllt. Am 17. Juni 1990 legte ein Bagger flach, was allen längst ein Dorn im Auge war. Der Fall der Mauer wurde zur Geburtsstunde des Deutsch- Deutschen Museums Mödlareuth.
Die Geschichte der deutschen Teilung, dargestellt am Beispiel dieser Region. Einen hohen Anspruch gilt es zu verwirklichen. Die Tragik dieser Teilung - politisch, wirtschaftlich und vor allem menschlich, kann wohl kaum deutlicher vor Augen geführt werden als hier. Dieser Bereich der ehemaligen "Staatsgrenze-West" gehörte von Anfang an zu den sensibelsten Grenzabschnitten. Nur einige Beispiele: Das Dreiländereck DDR-CSSR-BRD bei Prex, der Grenzbahnhof Gutenfürst, das geteilte Dorf Mödlareuth, die Ledertabrik in Hirschberg, der Autobahn-Grenzübergang Rudolphstein-Hirschberg, die Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein und die Thüringer Schieferbrüche um Lehesten.
Mödlareuth wird zum zentralen Ausgangspunkt für einen Ausflug in die jüngste deutsche Geschichte. Die Veranschaulichung der Funktion von Grenzsperranlagen ist dabei nur ein Bereich. Erfahrbar werden die historischen Zusammenhänge der deutschen Teilung, vor allem aber die Lebensumstände, unter denen die Bewohner diesseits und jenseits von Mauern, Zäunen und Stacheldraht lebten. Im Juni 1994 wurde das Freigelände eröffnet und die zu Forschung und Dokumentation nötigen Einrichtungen in Betrieb genommen. Ein Museumsgebäude ist in Planung, derzeit werden die Räume des ehemaligen Schulhauses für Wechselausstellungen genutzt. Das vielzitierte Zusammenwachsen dessen, was zusammengehört, wird nicht zuletzt vom gegenseitigen Verständnis der Bürger in den alten und neuen Bundesländern abhängen. Dieses zu fördern soll Inhalt und gesellschaftspolitische Aufgabe des Museums sein.
Das Dorf Mödlareuth selbst bleibt ein "Kuriosum" - die eine Hälfte bayerisch, die andere thüringisch. Unterschiedliche Postleitzahlen, Telefonvorwahlen und Fahrzeugkennzeichen sind äußere Zeichen dieser Verwaltungsgrenze. Zwei Bürgermeister kümmern sich um das Wohl der 50 Einwohner, deren Zugehörigkeit schon am Gruß zu erkennen ist: "Grüß Gott" auf der einen, "Guten Tag" auf der anderen Seite des Tannbachs. Heute gestaltet man den Alltag wieder gemeinsam, feiert zusammen die Feste. Die Teilung ist Geschichte - erhalten im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth. |
Mödlareuth 1987
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Mauern wie die in Mödlareuth entstanden ab Mitte der 60er Jahre überall dort, wo sich auf DDR-Seite noch Ortschaften in Grenznähe befanden. In Mödlareuth zog sich die Mauer mitten durch das Dorf (1). Nach einem gelungenen Grenzdurchbruch im Mai 1973 errichteten Pioniere der DDR-Grenztruppen zusätzlich einen parallel zur Mauer verlaufenden Metallgitterzaun. Dazwischen verlief der "Kolonnenweg", der durch ein Tor in der Ortsmitte für die Grenzposten zugänglich war (2). Mödlareuth befand sich im sogenannten "500 m-Schutzstreifen". Dieser war von DDR-Seite aus mit dem "Grenzsignal- und Sperrzaun II" gesichert (3). Bei dem Versuch des Übersteigens wurde Alarm in der ca. 2 km entfernten "Führungsstelle" ausgelöst. |
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